Im folgenden aufgeführten Text beschreibe ich meine psychotherapeutische Arbeit und persönliche Haltung innerhalb der Gruppenpsychotherapie. Sie bildet keine allgemein gültige Richtlinie ab und dient lediglich der Informationsvermittlung.

© 2020 Andreas Heisel

Was Gruppentherapie bedeuten kann

Bei der Gruppenpsychotherapie werden mehrere Teilnehmer in der Gemeinschaft und mit Hilfe der entstehenden Gruppendynamik therapeutisch behandelt und begleitet. Bei einer geschlossenen Gruppe beginnen und enden wir mit denselben Teilnehmern, lernen uns gegenseitig kennen und schaffen eine Vertrauensbasis zur gemeinsamen Zusammenarbeit.

Gruppenpsychotherapie kann bei verschiedenen psychischen Erkrankungen und Beschwerden genauso hilfreich sein wie die Einzelpsychotherapie, daher ist eine Gruppentherapie keineswegs als Ersatz oder Notlösung einer Einzeltherapie zu verstehen. In vielen Fällen handelt es sich um das Gegenteil, denn die Gruppe profitiert stärker von der zwischenmenschlichen Arbeit und den zugrundeliegenden Interaktionsprozessen, die im Gruppensetting zum Vorschein kommen und im Hier und Jetzt erlebbar gemacht werden. Die Gruppentherapie legt ihren Schwerpunkt auf die gleichen und auch weiteren Wirkfaktoren als Einzeltherapien, weshalb manche Problembereiche innerhalb einer Gruppe effizient bearbeitet werden können. Die Teilnehmer berichten frei über ihre Probleme, Gefühle und Erfahrungen in einem geschützten Rahmen, in dem es erlaubt ist, ohne Befürchtungen sprechen zu dürfen. Dabei erleben sie, wie sie auf andere Menschen wirken und welche Rollen sie einnehmen, da die Gruppe als ein Spiegel der sozialen Realität gesehen werden kann. Dies bietet den Vorteil, dass ein Problem oder Thema durch die Perspektive mehrerer Anwesenden betrachtet und bearbeitet werden kann. Zum Beispiel erlernen wir mehr Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen und können uns darin üben, Blockaden zu lösen, uns neu zu bewerten, uns selbst zu überwinden und neue Wege in Betracht zu ziehen. Als Menschen sind wir soziale Wesen, und häufig finden Symptome ihre Funktionen und ursprüngliche Bedingungen innerhalb sozialer Beziehungen ihre Wurzel, welche die Gruppentherapie aufdecken und bewusst werden lassen kann. Eine Gruppe bietet die Möglichkeit für echtes Verständnis und ein Gefühl des Aufgehobenseins – ein Ort und Raum, an dem man sich bewusst und mit Hilfe der Gruppenarbeit der Auseinandersetzung eigener Themen, Muster und Gefühle widmen kann.

Neben den lösungsorientierten Ansätzen nimmt auch die biographische Arbeit einen Fokus unserer Arbeit ein, um therapeutische Veränderungen direkt erlebbar machen zu können. Hier betrachten wir unsere Entwicklung, Rolle und Beziehungen innerhalb unserer Herkunftsfamilie, um mögliche Beziehungskonstellationen und -verstrickungen klärend machen zu können und zu einer Lösung zu finden, die wir dann psychotherapeutisch nutzen können. Auch werden themenübergreifende Inhalte besprochen, die grundlegend jeden Menschen betreffen: Umgang mit eigenen Gefühlen wie Ängste und Trauer, Umgang mit störenden Gedanken und inneren Dialogen, Selbstwertthemen und Zufriedenheit im Alltag. Obwohl wir eine Vielzahl verschiedener Symptome und Themenbereiche mitbringen, erfahren die Teilnehmer recht schnell eine Verbindung gemeinsamer grundlegender Bedürfnisse und Motive, die trotz der Unterschiedlichkeiten jedes Einzelnen etwas Gemeinsames formt. Natürlich steht es jedem Teilnehmer frei, wie weit er sich öffnen möchte. Nichts geschieht gegen den Willen des Teilnehmers. Die Gruppentherapie ist ein geschützter Raum des gegenseitigen Respekts und der Verschwiegenheit – es wird nichts an Außenstehende weitergegeben.

Meine Arbeitsweise in der Gruppentherapie

Zu Beginn der Gruppentherapie und auch im gesamten Verlauf lege ich einen besonderen Wert auf einen wichtigen Aspekt: Die Beziehung der Gruppe und die Beziehung zwischen den einzelnen Teilnehmern (die sog. „Gruppenkohäsion“). Das entsprechende Pendant innerhalb der Einzeltherapie bezeichnet man als „Therapeutische Beziehung“, einen entscheidenden Wirkfaktor für den Erfolg einer Psychotherapie, wobei innerhalb der Gruppentherapie der Beziehungsaspekt wesentlich komplexer ist, da mehrere Menschen beteiligt sind. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Bindung ist ein zentrales Grundbedürfnis und in uns allen vorhanden – dies nutzt die Gruppe, indem sie eine positive Schleife aus Vertrauen, Selbstoffenbarung und Akzeptanz anderer schafft. Empirische Daten aus Forschungsergebnissen dokumentieren die Bedeutung der Gruppenkohäsion für einen positiven Therapieerfolg, weshalb zu Beginn und im Gesamtverlauf der Therapie dieser Aspekt das verbindende Netz in der therapeutischen Zusammenarbeit darstellt. Auf dieser Grundlage machen wir Menschen heilsame Erfahrungen, welche bisherige Erfahrungen im zwischenmenschlichen Kontext unserer Vergangenheit (z.B. Kindheit, Herkunftsfamilie, Jugend) in gewisser Weise „korrigieren“. Die wichtige Erfahrung, dass wir trotz unserer individuellen Eigenschaften von einer Gruppe von Menschen akzeptiert werden, andere Teilnehmer die offenbarten Problembereiche selbst erlebt haben oder gegenwärtig erleben und im authentischen Austausch miteinander Möglichkeiten zum Umgang mit verschiedenen Themen erlernen, zeichnen sich im Bereich der Zwischenmenschlichkeit ab.

Außerdem ermöglicht die Gruppentherapie die Möglichkeit, sich in einem geschützten Rahmen „auszuprobieren“ und zu üben, ehrlich und authentisch miteinander zu sein. Dabei machen wir die Erfahrung einer sogenannten „Kongruenz“, also einem echten und transparentem Austausch ohne sich hinter einer Maske verstecken zu müssen. Wir erleben, wie wir auf andere Menschen wirken, wie andere Menschen auf uns reagieren und welchen Einfluss eigene Muster, Schemata, Grundannahmen und unbewusste Aspekte darauf nehmen. Innerhalb der Gruppe fokussiere ich mich auf ein Erleben im „Hier und Jetzt“ – denn das, was innerhalb der Gruppe aufkommt, wird häufig auch außerhalb der Gruppe im Alltag erlebt. Früher oder später transportieren wir unsere Beziehungsgestaltungen und Konflikte in das therapeutische Setting, um diese dort zu reflektieren, zu verstehen und Möglichkeiten zu finden, neue Wege zu begehen. Psychotherapeutisches Arbeiten und Veränderungen finden im idealen Fall im direkten Erleben statt, was das gruppentherapeutische Setting per se fördert. Ähnlich wie das Erlernen einer neuen Fähigkeit (z. B. ein Instrument spielen lernen) ist das tatsächliche Tun, Fühlen und Erfahren entscheidend im Vergleich zur theoretisch-rationalen Perspektive.

Wie Gruppensitzungen ablaufen

Meine Gruppentherapie ist nicht themen- oder anliegenspezifisch – das heißt, es handelt sich um keine „Angstgruppe“ oder „Depressionsgruppe“. Die Themen und Menschen sind offen und unterschiedlich hinsichtlich ihrer Schwerpunkte, Ziele und Eigenschaften. Jede Sitzung steht für sich und folgt keinem vorher festgelegtem Konzept – vielmehr richtet sie sich individuell nach der Gruppe, ihren Teilnehmern und den aktuellen Anliegen. Jede Sitzung beginnt mit einer Orientierungsrunde, in der jeder Teilnehmer sein aktuelles Gefühl im Hier und Jetzt benennt und bei Bedarf und Bereitschaft ein Anliegen formuliert, welches innerhalb der aktuellen (oder in einer späteren) Sitzung bearbeitet werden kann. Eine aktives Einbringen eigener Inhalte ist jederzeit freiwillig, denn die wichtigste Prämisse lautet: Niemand muss etwas mitteilen oder tun, was er oder sie nicht möchte.

Individuelle Anliegen werden wertfrei und wertschätzend aus der Perspektive der Teilnehmer behandelt. Die Mitglieder berichten frei über ihre Gefühle und Erfahrungen, ohne den anderen zu werten. Die Rückmeldungen der Teilnehmer beziehen sich auf eigene Erfahrungen und dem Erleben im Hier und Jetzt – beispielsweise im Umgang mit bestimmten Themen oder hinsichtlich einer authentischen Rückmeldung über die Wirkung einzelner Teilnehmer bei einem selbst. Hierzu finden Interventionen seitens des Psychotherapeuten Anwendung aus Bereichen der kognitiven Verhaltenstherapie, Schematherapie, Akzeptanz- und Commitmenttherapie, systemische Perspektiven sowie hypnotherapeutische Elemente. Die biographische Klärung zur Entwicklung eines Selbstverständnisses soll hierbei einen Raum einnehmen, um eigene emotionale und kognitive Rollen, Muster, Grundannahmen und Schemata bewusst werden zu lassen. Die Gruppentherapie ist somit auch ein Kontext zur „Selbst-Erfahrung“ und Bindeglied zwischen der individuellen Biographie und dem Erleben in der Gegenwart. Als letzter Baustein des Therapieprozesses dient die Vermittlung von Informationen durch Teilnehmer und des Therapeuten: Themenübergreifende Techniken im Umgang mit Emotionen, Gedanken und Verhaltensweisen werden aufklärend und konkret vermittelt und auf Wunsch und bei Bedarf praktisch eingeübt.

Rahmenbedingungen

Die geschlossene Gruppe: Die Gruppensitzungen finden zweimalig in der Woche statt, jeweils Dienstag und Donnerstag von 17:30 bis 19:15 über eine Dauer von ca. 100 Minuten und erstreckt sich über eine Dauer von ca. 4 Monaten, ggf. unter Berücksichtigung von Feiertagen, Urlauben und vermehrten Abwesenheitszeiten der Teilnehmer. Konkrete Termine werden den neuen Teilnehmern im Voraus mitgeteilt. Die Gruppe beginnt in diesem Rhythmus als geschlossene Gruppe, wenn die vorherige Gruppe beendet wurde und die neuen Teilnehmer der darauf folgenden Gruppe feststehen. Da es sich um eine geschlossene Gruppe handelt, die Wert auf eine gemeinsame Entwicklung und Selbsterfahrung legt, ist die Teilnahme an möglichst allen Sitzungen notwendig. Daher ist eine gewisse Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit zur Wahrnehmung aller Termine notwendig. Versäumte Termine können bei geschlossenen Gruppen nicht nachgeholt werden und kurzfristige Verschiebungen sind häufig nicht koordinierbar, weshalb es bei vermehrten Abwesenheitszeiten aus psychotherapeutischer und organisatorischer Sicht zu Nachteilen der Gruppe und dem Teilnehmer führt. Daher wird jeder Interessent gebeten im Vorfeld zu prüfen, ob er/sie auch in Verbindung mit Urlauben, Arbeitszeiten und Motivationslage eine solche Teilnahme auch möchte und gewährleisten kann. Vor dem Hintergrund dieses Therapieprogramms sind maximal drei Ausfälle im Gesamtverlauf für mich arrangierbar, für weitere Ausfälle müssen wir dann eine gemeinsame Lösung für eine gute Zusammenarbeit finden.

Die halboffene Gruppe: Die Gruppensitzungen finden einmalig in der Woche statt, jeweils an einem Montag von 17:30 bis 21:00 über eine Dauer von 200 Minuten und erstreckt sich in einer fortlaufenden Kontinuität. Es können Ausweichtermine aufgrund von Feiertagen, Urlauben oder anderer Absprachen stattfinden. Die Gruppe bietet die Möglichkeit, dass neue Teilnehmer als regelmäßige und feste Mitglieder hinzukommen können, weshalb es kein fest definiertes Ende der Gruppe, jedoch des Einzelnen gibt. Obwohl es sich um eine halboffene Gruppe handelt, ist die regelmäßige Teilnahme im Interesse jedes Mitgliedes und der gesamten Gruppe aus denselben Gründen wie bei der geschlossenen Gruppe notwendig, da „freie Plätze“ kurzfristig nicht anderweitig vergeben werden können (und auch nicht sollen), sondern jede/r Teilnehmer/in einen festen Platz in der Gemeinschaft hält und die Gruppe als Ganzes durch jedes Mitglied erst wirklich existiert und wirken kann. Daher ist auch in diesem Fall die Gruppe von der Bereitschaft und Zuverlässigkeit des Einzelnen abhängig, da erst dadurch ein gemeinsames Arbeiten möglich ist.

Die Gruppenpsychotherapie ist eine Kassenleistung und wird von den gesetzlichen Krankenkassen nach Beantragung des Teilnehmers und eines Psychotherapeuten mit Approbation in einem Richtlinienverfahren als Teil der vertragsärztlichen Versorgung übernommen. Bei einer privaten Krankenkasse setzen Sie sich bitte mit dieser in Verbindung, da die Kostenübernahme von Ihrer Police abhängt. Als Selbstzahler/in wird die Rechnung persönlich an Sie ausgestellt. Die Gebühren richten sich nach der geltenden Gebührenordnung für Psychotherapeuten (GOP) und bilden sich abhängig von der aktuellen Teilnahmeranzahl der jeweiligen Sitzung.

Einige Wochen vor Beginn der Gruppensitzungen finden zwei bis vier probatorische Sitzungen im Einzelgespräch statt, in denen offene Fragen und Anliegen geklärt und die erste Anamnese erhebon wird. In dieser Zeit beantragt man gemeinsam die Gruppentherapie bei der Krankenkasse.

Voraussetzungen für die ambulante Gruppentherapie

Für viele Interessierte bereiten die ersten Gedanken an eine Gruppentherapie zunächst das Gefühl des Unbehagens: Dem Begegnen und schrittweise Öffnen eigener Themen gegenüber zunächst fremder Menschen stellen für die meisten Teilnehmer große Hürden da, deren Überwindung zugunsten einer konstruktiven Gruppenarbeit jedoch lohnenswert sein kann. Diese Unbehaglichkeit ist bei jedem einzelnen Teilnehmer insbesondere zu Beginn der ersten Gruppensitzung eine übliche und normale Reaktion, die in der Regel bereits innerhalb der ersten Sitzung und im frühen Verlauf unserer Arbeit abnimmt. Auf diesen Umstand nehme ich bewusst Rücksicht, in dem ich zu Beginn des Therapieprozesses gezielt versuche, eine ungezwungene und leichte Atmosphäre zu schaffen, um sich in aller Ruhe gegenseitig kennen zu lernen und Vertrauen untereinander zu ermöglichen. Unter dieser Prämisse achte ich darauf, dass niemand ungewollt ins kalte Wasser geworfen wird.

Als Voraussetzung für die Teilnahme an einer ambulanten Gruppentherapie sehe ich als wichtigen Faktor die Motivation für eine Gruppenarbeit, unabhängig von der Verfügbarkeit (d.h. „freie Plätze“ in der Gruppe). Hierzu zählt die mittel- bis langfristige Bereitschaft, mit anderen Menschen und innerhalb einer geschlossenen Gemeinschaft zu arbeiten. Diese Therapieform erfordert (ebenso wie innerhalb einer Einzeltherapie) nach einer gewissen Zeit die Bereitschaft, sich selbst hinsichtlich eigener Gefühle, Gedanken und Themen zu offenbaren und auszutauschen. Ebenfalls relevant ist die Fähigkeit und Bereitschaft der eigenen Reflektion und Absicht, das eigene Erleben genauer zu beleuchten und sich mittel- bis langfristig verändern zu wollen.

Ferner ist eine regelmäßige Teilnahme an den Sitzungen erforderlich (siehe oben). Hierfür können auch logistische Gründe eine relevante Rolle spielen (Entfernung des Wohnortes, verfügbare Transportmittel, Arbeits- und Urlaubszeiten). Ein „Reinschnuppern“ in eine Gruppentherapie ist leider nicht möglich, da es sich um einen geschützten Rahmen handelt. Für eine Einzel- und Gruppenpsychotherapie ist die Abstinenz und Nüchternheit von psychotropen Substanzen (u.a. Alkohol, Cannabis und weitere Substanzen) Voraussetzung, da der Konsum solcher Substanzen eine Psychotherapie in der Regel ausschließt. Die Einzeltherapie oder ggf. (teil-)stationäre Maßnahmen sind der ambulanten Gruppenarbeit bei manchen Diagnosen und Problembereichen vorzuziehen, insb. bei akuten Krisen, psychischer Instabilität oder falls andere Verfahren indiziert sind (z.B. bei der Behandlung von Psychotraumastörungen).

Die Indikation lässt sich nicht pauschalisieren und soll individuell im Einzelfall vom Psychotherapeuten und dem Interessenten hinsichtlich der Themen und Ziele bestimmt werden. Die ambulante Gruppentherapie kann besonders im interpersonalen Bereich sinnvoll sein, zum Beispiel: Einsamkeit, Schüchternheit, sozialer Rückzug, Schwierigkeiten in der Nähe und Distanz, Konkurrenzverhalten, interpersonale und familiäre Konflikte, Misstrauen, Schwierigkeiten im Umgang mit Kritik, wiederholtes Bedürfnis nach Bewunderung, Gefühl nicht liebenswürdig zu sein, Selbstwertprobleme, Ängste sich abzugrenzen und eigene Bedürfnisse zu äußern, Schwierigkeiten in der Emotionsregulation, depressive Verstimmungen, Selbstzweifel und Selbstkritik.

Bei sämtlichen Fragen können Sie mich jederzeit kontaktieren.